Kaffeekonsum in der Schweiz: Qualität versus Umwelt?

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Kaffee  hat einen hohen Stellenwert in der Schweiz. Die Wertschöpfung von Kaffee macht knapp ein Prozent des Schweizer Bruttoinlandproduktes aus. Noch vor Käse und Schokolade ist Kaffee das wichtigste Exportprodukt geworden, laut ‘crema Magazin Schweiz’ in 2011. Viele Anbauländer exportieren ihren guten Kaffee in Länder wie die Schweiz zur Weiterverarbeitung und trinken den, der übrig bleibt oder Re-importierten. Nicht nur die Produktionsmethoden in den Anbauländern bestimmen die Öko-Bilanz von Kaffee, sondern auch Weiterverarbeitungsmethode und Verpackungmaterial, wie das kontrovers diskutierte Verpacktungsmaterial Aluminium, des in der Schweiz beliebten Kaffees in Kapseln. Bei Qualität und Geschmack des Kaffees, wie aktuelle Studien zeigen, ist man sich jedoch nicht einig.

Kaffeeproduktion entscheidend für Öko-Bilanz

Aus der ‘vereinfachten’ Kaffee-Öko-Bilanz von Roland Hirschier der ETH Zürich geht hervor, dass die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft beim Kaffeeanbau neben vielen anderen, wie die Verpackung, ein wichtiger Faktor ist. Er hat 2011 verschiedene Kaffeesorten sowie Vollautomaten, Filter- und löslichen Kaffee analysiert, die Kapseln gewogen und danach deren Hauptbestandteile identifiziert. Das Resultat: “Auf den Kaffee kommt es an.” Eine bewusste Kaffeeauswahl, wenn möglich mit Nachhaltigkeitslabel, ist gemäss Öko-Bilanz-Experte Hirschier das Beste für die Umwelt. Bei einem durchschnittlichen Kaffee mache die Kapsel rund ein Viertel der Umweltbelastung aus. Relativ schwere Kunststoffkapseln und solche, die zusätzlich noch einzeln verpackt sind, schneiden gemäss Hirschier schlechter ab. Werden Aluminiumkapseln recycelt, sei das vorteilhaft. Beim Test gab es zwei klare Gewinner: Unter den Annahmen, dass beim Filterkaffee der aufgebrühte Kaffee getrunken und beim löslichen Kaffee nur so viel Wasser erhitzt werde, wie auch benötigt, schnitten diese beiden Zubereitungsarten pro Tasse Kaffee am besten ab. Die bei Kaffeefans beliebte Bialetti-Espressokanne ‘Mokka Express’ wurde zwar in der Studie nicht berücksichtigt, würde gemäss Hirschier aber ähnlich gut abschneiden wie Pulver- und Filterkaffee. Ganz ohne Aluminium.

Ein kontroverses Leichtmetall

Aluminium wird in der Schweiz gesammelt und recycelt. Schon Kindern wird beigebracht, dass die silberne Folie nicht in den gewöhnlichen Abfall entsorgt wird. Dazu zählen eben auch Kaffeekapseln aus Aluminium. Die Recycling-Infrastruktur für dieses Phänomen ist ausgetüftelt. Laut dem Geschäftsbericht 2013 der ‘IGORA Genossenschaft’ – verantwortlich für das Aluminium-Recycling in der Schweiz – gibt es mehr als 2600 Stellen, wo man seine gebrauchten Kaffeekapseln abgeben kann. Um die Akzeptanz seiner Kunden aufrecht zu erhalten, muss Nespresso das Wiederverwerten der Kapseln weiter vorantreiben und hat in allen Shops eine Abgabestelle eingerichtet. Im Recyclingzentrum Moudon werde das Aluminium vom Kaffeesatz getrennt und als Wertstoff weiterverarbeitet, der Kaffeesatz lande im Kompost und werde beispielsweise von den Winzern im Lavaux als Dünger verwendet, heisst es vonseiten Nespresso. Dieses System ist ein Appell an Kunden – denn es funktioniert nur, wenn diese regelmässig die Kapseln sammeln und zu den vorgesehenen Abgabestellen bringen. Mit Nachdruck werde zudem die Entwicklung einer nachhaltigeren Aluminiumproduktion unterstützt, heisst es weiter.

Regenwaldrodung für Aluminiumgewinn

Den Frische-Argumenten zum Trotz zeigen Recherchen zum Ursprung dieses vielseitigen Frischhalte-Materials vorwiegend kritische Ansichten: ‘Greenpeace’ schreibt auf ihrer Webseite, dass viele energieintensive Arbeitsschritte notwendig seien. Dem Abbau des Ausgangsstoffes Bauxanit fallen Flächen zum Opfer, die nachher landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden können. Oft werde Urwald gerodet. Auch die deutsche Organisation ‘Rettet den Regenwald e.V.’ macht aufmerksam darauf, dass in den Hauptabbauländern – Guinea, Jamaika, Indien, Australien und Brasilien – für den Abbau auch Regenwald zerstört werde. Oft sei damit die Lebensgrundlage indigener Völker bedroht. Die Weiterverarbeitung des Bauxits zu Aluminium sei ebenso umweltschädlich, denn als Abfall bleibe dabei der giftige Rotschlamm zurück. Pro Tonne hergestellten Aluminiums entstehen zwischen einer und sechs Tonnen des Abfallprodukts. Da es kaum Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung für Rotschlamm gebe, werde die toxische Substanz rücksichtslos in grossen Seen deponiert oder in Flüsse geleitet. Für die betroffenen Ökosysteme habe dies meist tödliche Folgen, heisst es auf der Webseite der deutschen Organisation weiter. Anstatt Kaffee aus der Kapsel oder Sandwich in der Folie, kann man auf eine Alternative ohne Aluminium zurückgreifen und so selber einen Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten.

Geschmack: auf die Zubereitung kommt es an

Achtet man auf umweltfreundlichen Kaffeekonsum, sollte man also Kaffee aus einer Kolben- oder Vollautomatikmaschine oder Filterkaffee den Aluminiumkapseln vorziehen. Im Rahmen einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zeigten Forscher kürzlich auf, dass Aluminiumkapslen im Vergleich zu anderen Kapselsystemen einen geringeren Frischeverlust aufweisen. Auch ‘SRF Kassensturz’ hat Kaffee unter die Lupe genommen und zeigt, dass für einen guten Espresso neben der Maschine auch Mühle und Mahlgrad sehr wichtig sind. Am besten schnitt bei diesem Qualitätstest der klassische Vollautomat ohne Kapseln ab – jedoch nur mit den richtigen Bohnen: “Man soll nicht einfach irgend einen Kaffee kaufen und diesen in die Maschine füllen. Auf Säure, Süsse und Bitterkeit zu achten lohnt sich für qualitativ guten Kaffee”, weiss Mathias Bühler, Schweizermeister SCAE Cup Tasting 2014. Schweizermeister im SCAE Brewers Cup 2014 (Zubereiten von Filterkaffee) Benjamin Hohlmann fügt an: “Manchmal macht es mehr Sinn, Geld in eine gute Kaffeebohnenmühle zu investieren als in eine teure Kaffeemaschine.” Seinen eigenen Kaffee zu Hause zu mahlen habe nur Vorteile. Kaffee verliere laut einem Röster der Rösterei von Kaffee Blaser in Bern schon 15 Minuten nach dem Mahlen viel seines wertvollen Geschmacks. Setzt man dennoch auf eine schnellere Variante und will auf die stark beworbenen Kapseln nicht verzichten, ist ein Konsum im Mass angebracht. Nun sollte der Wahl eines umweltfreundlichen qualitativ guten Kaffees nichts mehr im Weg stehen. Und übrigens: mit einem kleinen ökologischen Fussabdruck zu prahlen ist in!

Aus- und Weiterbildungen im Bereich Kaffee gibt es in der Schweiz mehrere:

  • Von Barista-Starter über Coffee Lover bis hin zu Latte-Art Starter kann man bei Martin Stock alles lernen, was das Kaffeeherz begehrt.
  • Barista-Kurse nach dem offiziellen SCAE-Ausbildungsprogramm bietet beispielsweise die Kaffeezentrale Schweiz in Uster an.
  • Barista-Kurse, Latte Art Schulungen, Rösten, Sensorik und alternative Brühmethoden bietet auch der amtierende Schweizermeister im Brewers-Cup Benjamin Hohlmann (siehe oben) und seine Kollegen von ‘Die Kaffeemacher’ an.
  • Blaser Kaffee Bern organisiert in ihrem kürzlich eröffneten Lokal «Rösterei Kaffee und Bar» regelmässig Seminare für jedermann.

Featured image: Gehören nicht in den Abfalleimer: In der Schweiz kann man seine gebrauchten Kaffeekapseln aus Aluminium an mehr als 2600 Sammelstellen abgeben. Bild: Richard Allaway, Flickr

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