Urbane Mobilität: Zwei Buzzwörter, eine Kampagne

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Im Februar dieses Jahres begann es, das erste Newsroom-Experiment von Student Reporter (SR) mit Themenfokus in der Schweiz. Über ein Dutzend Nachwuchsreporter nahmen daran Teil: allesamt Schweizer Studenten, darunter angehende Anthropologen, Designer, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler. In den vergangenen Monaten produzierte dieses Team journalistische Beiträge zur Zukunft urbaner Mobilität in der Schweiz – für den Medienpartner NZZ Campus sowie für die SR-Website und die US-Ausgabe der Huffington Post.

Urban. Mobil. Es sind Buzzwörter, die auf ein weitläufiges und journalistisch eher spärlich beackertes Themenfeld verweisen. Ein günstiges Territorium also, wenn man auf der Suche nach Geschichten ist. Und um die ging es schließlich. Die jungen Autoren sollten direkt am Thema lernen, wie man recherchiert, seine Informationen strukturiert und zu guten Texten verarbeitet. Dafür bekamen sie redaktionelle Unterstützung vom Student Reporter-Team.

„Geschichten aufzuspüren fällt mir nach diesem Projekt viel leichter“, sagt Eva Perrett, eine der Reporterinnen. „Und im Gespräch auf Menschen zuzugehen.“ Durch ihre ersten Interviews sei sie noch durchgestolpert. „Ich habe nicht gewusst, worauf der Dialog eigentlich hinauslaufen soll.“ Das änderte sich bald. Denn Perrett machte sich auf ins Feld: Sie berichtete vom Genfer Auto-Salon über die Rolle der Frauen in der Autoindustrie. Für ein Feature tourte sie durch die Schweizer Start Up-Szene und richtete ihren Blick vor allem auf die Arbeitsbedingungen junger Unternehmen, die sich mit Mobilität beschäftigen.

So divers wie Perrets Texte waren auch die der anderen Reporter. Die Bandbreite reichte von Reisereportagen ­­– ein Reporter-Team legte die Route Zürich-Gibraltar per Mitfahrgelegenheit zurück – bishin zur Konferenzberichterstattung, etwa vom World Collaborative Mobility Congress in Bern. Und dazwischen: Da ging zum Beispiel auch ein Artikel über Parkour-Läufer, die den Städten mit eleganten Saltos, Sprints und Sprüngen neue Wege abtrotzen.

Was diese Themenvielfalt deutlich macht: Mit Mobilität setzen wir uns in fast allen Lebensbereichen auseinander. Ob räumlich, sozial, virtuell, ökonomisch oder in Form der E-Mobility – Mobilität ist eines der Kernthemen unserer Zeit und findet auf unterschiedliche Weise Ausdruck.

Die inhaltliche Offenheit, die mit diesem Ansatz einhergeht, bedeutete viel Freiraum für die Autoren. Doch sie sei im Nachhinein auch eine große Herausforderung für die Kampagne gewesen, sagt Tim Lehmann, der Leiter von Student Reporter: „Weil sich die Reporter von ihren persönlichen Mobilitätsvorlieben leiten ließen, ist manch ein politisch relevanter Aspekt auf der Strecke geblieben.“

So wollte sich kaum einer der Fahrrad fahrenden Jungautoren mit den wirtschaftlichen Entwicklungen in der Autoindustrie beschäftigen. Auch um die Forschung zur Mobilität machten die meisten Reporter einen großzügigen Bogen. „Üblicherweise haben wir bei Student Reporter Autoren, die viel Spezialwissen zum jeweiligen Thema mitbringen“, sagt Lehmann. „In diesem Projekt war ein solches Spezialwissen eher die Ausnahme.“ Ein fokussierter Ansatz hätte dem Thema gut getan, so sieht es Lehmann kritisch im Nachhinein.

Wenn man sich allerdings schon dafür entscheidet, inhaltlich und formal breit zu fächern, dann richtig. Und so ging die Kampagne zur urbanen Mobilität über die Produktion journalistischer Texte hinaus.

Um das Thema ästhetisch erlebbar zu machen, ließ sich Projektmanager Sandro La Marca eine Kunstintervention in Zürich einfallen: Mit Handys bewegten sich die Teilnehmer durch die Stadt und hinterließen dabei per GPS ihre mobilen Fußabdrücke im virtuellen Raum. Auf diese Weise erschufen sie Bilder, die Online zur Verfügung gestellt wurden. Zeichnen durch Bewegung im Raum ­– was dabei herauskam, war zwar nicht der nächste Van Gogh, eher erinnerte es auf sympathische Weise an die Minimal Art der 1960er mit ihren simplen geometrischen Grundformen. Aber um kunsthistorische Verweise sollte es bei der Aktion ohnehin nicht gehen: „Wir wollten mit dem GPS-Drawing unsere Version von kreativer Mobilität auf die Straße bringen, sie vor Ort und virtuell sichtbar machen“, sagt La Marca.

Ferner entstand im Rahmen der Kampagne der Kurzfilm „Never Stop Moving“, den Student Reporter in Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma „What Took You So Long“ und dem Impact Hub Zürich fertigstellte. Auf unterhaltsame Weise kreist er um die Frage, wie die Schweizer als finanzstarke Demokraten der Zukunft städtischer Mobilität begegnen.

Das journalistische Finale des Projekts bildete schließlich der Radio Day im Juni: Die SR-Redaktion verwandelte das Zürcher Impact Hub in ein Radiostudio und sendete zwölf lang Stunden live zum Thema. Dessen ökonomische Dimension stand dabei im Vordergrund. In diversen Talkrunden und Interviews kamen Investoren, Gründer und Experten aus dem Mobilitätsbereich zu Wort und diskutierten – etwa über die Annahme, die wohlhabende Schweiz sei ein vorteilhafter Markt für junge Unternehmensgründer.

Joanna Itzek leitete die Redaktion bei der Kampagne zur Urbanen Mobilität

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