AXA Winterthur Partner Feature

AXA wirbt um Digital Natives zum Scouting zukünftiger Mobilitätsrisiken

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Die AXA Winterthur ist Förderer der Kampagne „Zukunft der urbanen Mobilität in der Schweiz“.

Student Reporter nahm die Lancierung des Drive Recorders der AXA Winterthur (AXA) als Anlass für ein Gespräch mit Dieter Gosteli, Leiter Privatkunden bei der AXA. Entwickelt hat sich ein Gespräch über den schrittweisen Umgang von Innovationen in einem Grossunternehmen, die Herausforderung als Arbeitgeber Digital Natives zu integrieren und ein Versicherer, der sich als Technologieunternehmen versteht.

Student Reporter: Was verstehen Sie darunter sich nicht nur mehr als Autoversicherer sondern zunehmend als Mobilitätsversicherer zu verstehen?

Dieter GosteliFrüher entschieden sich Menschen für ein bestimmtes Verkehrsmittel. Heute ist dies anders: Kunden wollen Zugriff auf alle möglichen Mobilitätsmittel. Die Kundin und der Kunde können eigene Mobilitätsmittel nutzen, sie ausleihen oder den öffentlichen Verkehr beanspruchen. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, der wir bei der AXA folgen wollen.

„Der Trend geht vom Besitzen zum Benutzen.“

Student Reporter: Sehen Sie Ereignisse in der Automobilbranche, die zu dieser Entwicklung beitragen?

Gosteli: Nicht die Automobilbranche ist hier treibend, sondern die Gesellschaft. Die AXA versichert nicht nur das Auto, sondern auch das Velo und den Töff, daneben auch öffentliche Mittel wie Schifffahrtsgesellschaften. Der Trend geht vom Besitzen zum Benutzen, wie wir feststellen. Unser Schwerpunkt liegt heute zwar noch im Automobilbereich, kann sich aber in Zukunft auf Gesamtmobilitätspakete verlagern.

Aus Kundensicht ist in erster Linie die in der Schweiz obligatorische Autoversicherung wichtig. Aber wenn ich mich mit verschiedenen Mitteln bewege, die ich nicht selber besitze sondern ausleihe, muss ich für die gesamte Bewegung abgesichert sein. Nehmen Sie die Reiseversicherung, das ist eine klassische Mobilitätsversicherung. Wenn ich unterwegs bin, muss ich mich für alles Mögliche absichern. Das ist nicht neu.

Student Reporter: Wie organisiert sich die AXA intern für die Erforschung dieses Trends?

Gosteli: Wir haben einen auf die Erforschung von Trends spezialisierten Innovationsbereich. Dort fragen wir uns, was die Trends für uns als Anbieter in Bezug auf unsere Kundenbeziehung bedeuten und welche Trends für uns überhaupt relevant sind. Wo gibt es Felder, auf die wir eine Antwort geben können? Was können wir heute schon abbilden, wo etwas bündeln, und wo können wir etwas Neues entwickeln? Das ist eine laufende Arbeit. Im Bereich Mobilität tendieren wir in Richtung Gesamtmobilitätsbetrachtungen. Unsere derzeit grösste Innovation ist aber sicher der Drive Recorder für das Auto.

„Was uns neben Mobilitätstrends als Assekuranz umtreibt ist die Big Data Bewegung.“

Student Reporter: Welche anderen Trends beschäftigen Sie?

Gosteli: Was uns neben Mobilitätstrends als Assekuranz besonders beschäftigt, ist die Big Data-Bewegung. Was machen wir mit der Masse an Daten, die verfügbar ist? Wir müssen uns überlegen, was relevant für uns ist. Und ob wir genug Know-how in den eigenen Reihen haben, um selber daraus etwas Neues, Sinnvolles zu entwickeln. Oder ob wir einen Partner benötigen. Wir sind selber ein Big Data-Manager mit Millionen von Daten, die wir anders nutzen könnten, als wir dies heute tun. Dann gibt es weitere Datenfelder im Umfeld. Es ist eine Herausforderung festzustellen, was die absolut relevanten Trends sind in Bezug auf ein Produkt. Wir können nicht sagen, „Projektschritt 1, 2, 3, 4 – jetzt haben wir das Ziel erreicht“. Wir sprechen hier von Forschung und Entwicklung, wie man sie in einem Technologieunternehmen auch hat. Am Anfang des Prozesses weiss man nicht zwingend, was genau gemacht werden muss, um ein Produkt lancieren zu können. Der Prozess steht im Vordergrund.

Unsere Aufgabe ist es, die Welt der Digital Natives mit unserem Know-how zu verbinden.“

Student Reporter: Sie machen den Vergleich mit einem Technologieunternehmen, das macht die AXA als Arbeitgeber interessant für junge Menschen. Was verändert sich hier bei der AXA in der Firmenkultur? Gibt es Spannungsfelder zwischen alten und neuen Mitarbeitern?

Gosteli: Spannungsfelder sehe ich eigentlich nicht. Bei einem so grossen Unternehmen haben Sie immer verschiede Generationen und Skillprofile an Board. Wir leben von der Verschiedenheit, diese gilt es optimal zu nutzen. Wenn ich zum Beispiel ein Projekt im e-Business aufsetze, nehme ich nicht einfach einen jungen Mitarbeiter, sondern auch jemanden, der eine hohe Sachkenntnis von unseren Produkten hat. Wenn Sie nur gleichspurige Leute nehmen, kommt in der Regel  nicht die beste Lösung heraus.

Student Reporter: Welche Fähigkeiten sollten junge Mitarbeiter bei ihnen mitbringen?

Gosteli: Stichwort Digital Natives. Die jüngeren Generationen sind mit den heutigen Technologien aufgewachsen und haben einen bestimmten Umgang mit ihnen. Sie kommen aus einer Welt, die vielleicht neue Aspekte miteinbringen kann in unsere Tätigkeiten. Unsere Aufgabe ist es, die Welt der Digital Natives mit unserem Know-how zu verbinden. Wenn wir neue Mitarbeiter suchen, dann suchen wir nach dem Wert, den sie für das Unternehmen generieren. Das ist nicht einfach das Abarbeiten von Checklisten, wie vor 100 Jahren.

Student Reporter: Was ist das Spezifische, das durch die Digital Native-Generation in Ihr Unternommen kommt? Was ist anders als zum Beispiel in den 1990ern?

Gosteli: Die Digital Native-Diskussion ist wichtig für ein Unternehmen, aber auch etwas überschätzt. Sie sind schliesslich nicht die Einzigen, die sich mit der elektronischen Welt beschäftigen. Mein 80-jähriger Vater sitzt mehr vor dem Computer als meine Töchter, die in der Ausbildung sind und teilweise andere Probleme haben, als sich mit technischen Devices auseinanderzusetzen. Das hat schon längst eine Breite eingenommen, die alle betrifft.  Die wichtige Frage ist, inwiefern sich das Nutzerverhalten der Jungen anders entwickelt, als das der Älteren. Wir müssen mit dem Nutzerverhalten der Jüngeren schritt halten können. Die Jungen müssen uns zeigen, wie sie in ihrer Welt operieren. Dies ist ein ständiger und schneller Wandel. Wenn Sie die Versicherungswelt von vor 25 Jahren nehmen, dann hat sie sich um einige Faktoren langsamer bewegt in Bezug auf Innovationen und Technologien, als es heute der Fall ist. Wir müssen den Speed mitnehmen, um nicht am Markt vorbei zu agieren.

Student Reporter: Wirkt dieser schnelle Wandel panisch oder inspirierend?

Gosteli: Absolut spannend, nicht panisch. Wir sind offensiv unterwegs und wollen die Branche antreiben. Was wir mit dem Drive Recorder vorgestellt haben, ist sicher Schweizer Maßstab. Auch wenn ich mich im europäischen Umfeld umsehe, sind wir relativ weit vorne, mit unserem ganzheitlichen Ansatz.

„Die ersten politischen Schritte für eine Verpflichtung einer Black Box sind … bereits gemacht“

Student Reporter: Warum haben Sie den Drive Recorder nicht schon früher lanciert?

Gosteli: Das Thema Verhaltensparameter in die Versicherung einfließen zu lassen, haben wir schon im Ansatz in 2005 bedacht. Damals konnten wir es aus verschiedenen Gründen nicht zu Ende bringen, sind aber kontinuierlich am Thema dran geblieben. Letztendlich ist dies Bestandteil eines Innovationsprozesses. Irgendwann ist das Produkt reif und der richtige Moment da, um als Innovationsleader an die Spitze zu gehen.

Student Reporter: Der Drive Recorder ist so etwas wie die Blackbox fürs Auto. Wird sie irgendwann einmal zur Pflicht?

Gosteli: Das müssen Sie die Politiker fragen. Sie sind verantwortlich, neue Verpflichtungen einzuführen. Es gibt einen Ansatz bei Via Sicura, ab 2015 eine Blackbox für Raser verpflichtend zu machen. Diese wird allerdings andere Fähigkeiten überwachen müssen. Unser Drive Recorder dient nicht der Überwachung , sondern der Selbstreflektion jedes Fahrers, indem er auf dem geschützten Kundenportal sein Fahrverhalten einsehen kann. Die ersten politischen Schritte für eine Verpflichtung einer Black Box sind allerdings bereits gemacht. Mehr wissen wir heute noch nicht.

Student Reporter: Müssen sich junge Autofahrer vor einer Kontrolle durch die Blackbox fürchten?

Gosteli: Die Innovation ist erst einmal, dass junge Leute zeigen können, dass sie bessere Autofahrer sind, wie das im Allgemeinempfinden wahrgenommen wird. Sie können jetzt beweisen, dass sie vorausschauend und vorsichtig fahren. Das kommt gut an.  Die Jungen, die sich vom Image der unvorsichtigen Fahrer und Raser abheben wollen, haben die Chance, dies jetzt zu tun.

Student Reporter: Vielen Dank für das Gespräch.

Die Einführung des Drive Recorders in der Schweiz durch die AXA Anfang 2014 sorgte in der Öffentlichkeit für grosses Interesse. Das Gerät soll Junglenker zum vernünftigen Fahren motivieren: korrektes Fahrverhalten wird durch Prämiennachlass belohnt. Bisher ist unklar, inwiefern sich der Drive Recorder auf die Unfallprävention ausübt. Datenschützer weisen darauf hin, dass die ermittelten Daten auch für Marketingzwecke genutzt werden könnten.

Das Interview wurde zum besseren Verständnis redigiert.

 

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