Aus Zürich eine Schnecke gemacht mit GPS-Drawing

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Im Spiel und in der Kunst wird schon seit jeher auf die Simulation von Mobilität zurückgegriffen. Nicht umsonst wird in der ‘erweiterten Realität’ oder im Englischen “augmented reality” mit der Auflösung der Grenzen von Realität und Virtualität gespielt und neue Verhaltensmuster für Bewegung im dreidimensionalen Raum gebildet.

Schnecke, Blume und Co.

Die nachfolgenden Ergebnisse der GPS-Drawing Aktion vom 31. Mai in Zürich, welche im Rahmen unserer städtischen Mobilitätskampagne durchgeführt wurde, lassen erahnen, welchen technischen und besonders mobilitätsbezogenen Herausforderungen sich die Teilnehmenden der mobilen Kunstintervention bei der Realisierung gegenüber sahen. Auch auf dem grössten öffentlichen städtischen Platz in der Schweiz, dem Zürcher Sechseläutenplatz, gelang es den Teilnehmenden eine einfache Abbildung mithife von GPS auf dem Handy zu illustrieren. Das Bild einer Blume wurde dort etwa zu Fuss um das Zelt des sich dort aufgerichteten Zirkus Knie gezeichnet. Andere Motive stellen eine Schnecke dar, deren Haus sich anhand des Gleisbogens zwischen Schmiede Wiedikon und dem Zürcher Hauptbahnhof formen liess oder ein Fussgänger-Strichmännchen, der gemütlich auf der Zürcher Limmat zu flanieren scheint.

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Bild: Kartenmaterial und GPS-Route in Form einer Schnecke / Quelle: Google

Hintergrund des GPS-Drawing

Beim GPS-Drawing, welches mit den ersten industriell gefertigten GPS-Sendern und -Empfängern seine Anfänge fand, wird mit der eigenen Bewegung und Mobilität genau das gemacht. In den Strassen oder auf einzelnen grösseren Plätzen und Feldern im urbanen oder auch ruralen Gebiet werden Zeichnungen und Muster gefertigt und dies lediglich mit Hilfe des eigenen mobilen Fussabdrucks, der vom GPS-Gerät registriert, via Satellit gesammelt und schliesslich online zur Verfügung gestellt und reproduziert wird. Einen Van Gogh kann man damit im Normalfall nicht konkurrenzieren, doch ist mit dem technischen Fortschritt und zunehmender Genauigkeit der GPS-Sender und -Empfänger heute schon vieles möglich, das vor einigen Jahren noch kein brauchbares Resultat hervorgebracht hätte.

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Bild: GPS-Zeichnung eines Fussgängers in Zürich / Quelle: OSM/ Locus

Science Fiction und Technik als Treiber

Heutzutage sind Online-Giganten wie Google massgeblich an der Verbreitung solcher Techniken beteiligt. So hat sich beispielsweise das Google Earth Dateiformat KML oder KMX, eine komprimierte Version von KML, als Wiedergabeformat für die gesamte Online-Nutzerschaft durchgesetzt. So kann ein mittels GPS-Drawing gefertigtes ‘Kunstwerk’ innerhalb kürzester Zeit, wenn nicht in real-time, online veröffentlicht werden. Eine online publizierte KML- oder KMX-Datei kann dann selbst per Sucheingabe in Google Maps, dem meist benutzen Kartenmaterial weltweit, innert Sekunden abgerufen und auf jedem beliebigen Bildschirm überall auf der Welt abgebildet werden. Die eigene Mobilität wird damit orts- und zeitunabhängig für alle sichtbar.

Welche Konsequenzen dies für die Gesellschaft und die Zukunft der Mobilität haben wird ist zwar schwer abzuschätzen. Jüngere Bestrebungen wie die Open Data Bewegung zeigen jedoch auf, dass mit öffentlich zugänglichen Daten, insbesondere auch Daten der Mobilität, vieles bewegt werden kann. Seit der Einführung des Mobiltelefons, welches 1973 vom Motorola-Entwickler Martin Cooper und inspiriert durch die Science Fiction Serie Startrek erfunden wurde, ist spätestens bekannt, dass die Kunst die Technologie der Kommunikation und Mobilität massgeblich mitgeprägt hat. Dies ging soweit, dass sich das Wort ‘mobile’ als kommunikationsbezogener Terminus in den Köpfen festgesetzt hat.

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Bild: Versuch eine Blume mit GPS auf den Zürcher Sechseläutenplatz zu zeichnen / Quelle: Google 

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