Die Jungs des Genfer Autosalons 2014: Wandel und Stereotypen in der Autoindustrie

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Courtesy of USP Partners

Verlassen Frauen den Autosalon? Foto am Genfer Autosalon 2013.

Beim 84. Genfer Autosalon bietet sich den Besuchern bisweilen ein ungewohnter Anblick: Statt über Motorhauben drapierter Hostessen stehen vermehrt elegant gekleidete Männer in gut sitzenden Anzügen an den Ständen. Freundlich begrüßen sie die Besucher, führen sie zu den Autos und erklären ihnen die technischen Finessen der aktuellen Modelle.

An "advisor" at 2014 Geneva Motor Shows.

Photo courtesy of USP Partners

Ein Berater des Genfer Autosalons.

„Die Mehrheit der Hosts am Stand sind sicherlich immer noch Frauen, doch es arbeiten bedeutend mehr Männer in dieser Position als vor fünf Jahren,“ sagt Marc Brunner von USP Partner, einer Recruitment Agentur für den Einsatz von Messe- und Eventpersonal. Mit einem Wandel des Frauenbildes in der Autoindustrie hat diese Personalpolitik allerdings kaum etwas zu tun – im Gegenteil: „Bei Premium-Fahrzeugen hat der Kunde den Anspruch, ein technisches Gespräch halten zu können. Und Kunden empfinden oft, dass Männer mehr Ahnung von den technischen Details haben als Frauen“, sagt Brunner. Deshalb wollen die Autohersteller immer mehr männliche Berater.

Berater wie Florian. Der 20-jährige Student aus Genf ist Autoenthusiast und arbeitete beim diesjährigen Autosalon am Stand von Lexus. „Ich genieße es, mit Kunden zu fachsimpeln“, sagt er. „Und Mädchen am Salon, die sich mit Autos auskennen, finde ich super“, fügt er noch hinzu. Dabei sind solche Frauen dort keine Ausnahme, sondern die Regel: Am Genfer Autosalon erhalten alle Berater, ob männlich oder weiblich, im Vorfeld das selbe Training, so dass alle gleichermaßen technisch informiert seien, erklärt Brunner von der Personalagentur.

Doch nach wie vor sind Automessen wie der Genfer Autosalon eine Männerdomäne. In diesem Jahr waren es 76 Prozent der Besucher männlich, wenn auch der Anteil der weiblichen Besucher leicht gestiegen ist. Ein ähnliches Bild liefert die Detroit Motor Show, die größte Automobilausstellung der USA. Und so kommen diverse Umfragen in der Branche zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Automobilindustrie gelingt es immer noch nicht, den richtigen Ton bei Frauen zu finden – ob es nun um Mitarbeiterinnen oder Kundinnen geht.

Zu diesem Schluss kam zuletzt eine während der Detroiter Messe im Januar durchgeführte Umfrage unter den Mitgliedern des „Women’s Economic Club“. Die prestigeträchtige Detroiter Organisation hat 2.000 Mitglieder und befasst sich mit Themen rund um Wirtschaftsführung. 86 Prozent der Befragten gaben der Autoindustrie schlechte Noten, wenn es um die Beförderung weiblicher Mitarbeiter auf Posten mit mehr Verantwortung geht. Die Ernennung von Mary Barra als Chefin des Autokonzerns General Motors im vergangenen Dezember blieb da eher die Ausnahme. Rund 75 Prozent der Befragten fanden zudem, dass die Vorstellungen von Autokäuferinnen eine viel zu geringe Rolle spielen. Ein Umstand, den sich keine Industrie leisten kann, will sie zukunftsfähig bleiben.

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Technisch informiert und bereit.

Dieser Artikel wurde am 7. Mai 2014 in der Huffington Post veröffentlicht.

One thought on “Die Jungs des Genfer Autosalons 2014: Wandel und Stereotypen in der Autoindustrie

  1. Pingback: The Automotive Industry Fails to Attract Women—Both as Customers and as Employees. Case in Point: the Geneva Motor Show. | Student Reporter

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